Leader in der Corona-Krise sein: So führen Sie sich und Ihr Team erfolgreich durch schwere Zeiten

Whitepaper von Orange Consulting für Führungskräfte

Als Führungskraft kommt es insbesondere in Zeiten von Krisen darauf an, trotz allem einen kühlen Kopf zu bewahren, die richtigen Dinge zur rechten Zeit zu tun, sinnvolle Entscheidungen mit Sachverstand und Entschlusskraft zügig zu treffen und zukunftweisende Weichen zu stellen.

Mit den vier Erfolgsweichen Informieren, qualifizieren, fokussieren, motivieren schaffen Sie es. Hier ist Ihr Vier-Punkte-Plan:

  1. Informieren

Beschaffen Sie die wirklich relevanten Informationen, die zunächst Sie selbst und dann Ihr Team handlungsfähig machen, Ihre Arbeit erfolgreich auszuführen. Und zwar in dieser Reihenfolge, denn Selbstmanagement geht vor das Management von anderen.

Machen Sie sich schlau und befassen Sie sich zunächst soweit mit dem Thema Corona, bis Sie in der Lage sind, sich selbst und Ihr persönliches und berufliches Umfeld von einer Infektion zu schützen. Nehmen Sie die Situation ernst und als Aufforderung, sich ernsthaft zu informieren und danach sinnvolle Maßnahmen einzuläuten. Aber: Keine Panik und kein Aktionismus. Erst denken, dann handeln. Fassen Sie einen Plan!

Im nächsten Schritt befassen Sie sich mit ein paar grundlegenden Aspekten aus dem Arbeitsrecht, in dem Sie Ihren Personalbereich einbeziehen und sich erkundigen, welche Regelungen Ihr Unternehmen getroffen hat oder als Möglichkeiten bietet. Es reicht, wenn Sie sich einen groben Überblick verschaffen. Diesen brauchen Sie zu den Themen Fürsorgepflicht, Dienstreisen, Homeoffice, Kurzarbeit und Umgang mit Verdachtsfällen sowie Lohnfortzahlung. Für die Details und Einzelfälle steht Ihnen das Personalteam zur Verfügung, das jetzt auf Hochtouren arbeitet und verantwortlicher Ansprechpartner*in in Ihrem Unternehmen für grundlegende Personalangelegenheiten ist.

Versorgen Sie Ihr Team proaktiv mit den wichtigsten Informationen. Berufen Sie, sofern noch nicht geschehen, ein (Online-) Meeting ein. Nehmen Sie sich Zeit, auf Fragen Ihrer Mitarbeiter*innen zu antworten oder diese zu sammeln, um sie später zu klären. Weder Sie noch Ihr Team sollen zum „Corona-Experten“ werden. Sondern es geht jetzt darum, jene Informationen zu vermitteln, auszutauschen oder zu beschaffen, die im unternehmerischen Interesse die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit aller betreffen und Ihren Geschäftsbetrieb weitestgehend aufrecht halten.

Zusammenfassung: Nehmen Sie Ihre Informations-Hol- und Ihre Informations-Bring-Verantwortung ernst und statten Sie sich selbst und Ihr Team mit den Informationen aus, die Sie selbst und die anderen benötigen um psychisch und physisch gesund zu bleiben und trotz allem die anstehenden Aufgaben bestmöglich auszuführen, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

  1. Qualifizieren

Durch die aktuellen Entwicklungen werden neue Arbeitsformen – insbesondere virtuelle Zusammenarbeit und digitales Arbeiten von remote - von Tag zu Tag wichtiger bis hin zu existenziell.

Wie fit sind Sie selbst und wie fit Ihre Mitarbeiter*innen, digital und vom Home Office aus zu arbeiten?

Welche Möglichkeiten und Tools stehen in Ihrer Firma zur Verfügung und wie nutzen Sie diese bestmöglich?

Erkundigen Sie sich, was bei Ihnen geht und beschaffen Sie sich, wie oben skizziert, zunächst einmal selbst das nötige Wissen und Handwerkszeug. Es gilt auch hier wieder: Niemand erwartet, dass Sie von heute auf morgen als Expert*in und Ausbilder*in für Tools wie Teams, Slack, Googlemeet, Skype usw. fungieren können. Sehr wohl wird jedoch von Ihnen erwartet, dass Sie sich mit den Möglichkeiten beschäftigen und dafür sorgen, dass Sie und Ihr Team in die Lage versetzt werden, diese anzuwenden.

Erkundigen Sie sich im Personal- und/oder IT-Bereich, was dort schon an Angeboten vorliegt, nutzen Sie online Tutorials, Youtube und Webinare und dann fangen Sie an. Mit jedem Erfahrungstag werden Sie besser. Übung macht Meister*innen! Das gilt auch für Ihr Team. Freuen Sie sich, wenn Ihre Mitarbeiter*innen an einigen Stellen sicherer und selbstbewusster digital Arbeiten als Sie. Binden Sie diese als Ausbilder*in bzw. Ansprechpartner*in für das Team ein.

Zusammenfassung: Machen Sie sich schlau und beziehen Sie andere als Helfer*in, Mentor*in und Ausbilder*in ein, die mehr Wissen haben als Sie. Seien Sie sich selbst gegenüber gnädig, es ist noch kein*e Meister*in vom Himmel gefallen, Ihre Kompetenzen entwickeln sich mit der Praxiserfahrung.

  1. Fokussieren

Aktuell strömen sintflutartig Informationen auf uns alle und Sie als Führungskraft ein. Täglich gibt es neue Entwicklungen und Erkenntnisse und verschärft sich die Lage auf unplanbare Art und Weise, wie wir es alle noch nicht erlebt haben. Lassen Sie sich hierdurch nicht aus der Bahn werfen. Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken und Kompetenzen: Sie sind Führungskraft geworden, weil Sie Themen und Aufgaben priorisieren und Entscheidungen treffen können. Tun Sie es!

Verschaffen Sie sich täglich zu allererst morgens einen Überblick:

  • Welche neuen Infos und Regelungen liegen vor, die Ihre Gesundheit und die Ihres Teams betreffen?
  • Was gibt es an neuen Inputs, die sich auf Ihre Arbeit, das gesamthafte Leistungsvermögen und Ihr Unternehmen und das Geschäftsmodell auswirken?
  • Welche Tragweite haben diese neuen Informationen, Anweisungen und Inputs?

Sortieren Sie die Inhalte nach Bedeutung und Tragweite und priorisieren Sie Ihre Aktivitäten. Arbeiten Sie nach dem Prinzip: First things first! Das bedeutet: Zuerst die strategischen Weichen stellen, Entscheidungen treffen und kommunizieren. Danach gehen Sie selbst an die operative Arbeit.

Nutzen Sie auch und erst recht in der Krise Ihr Wissen aus dem Zeit- und Selbstmanagement. Effektiv arbeiten, heißt, die richtigen Dinge tun. Effizient arbeiten, bedeutet, die Dinge richtig tun. Verzichten Sie in diesen Zeiten auf Perfektionismus und Nullfehler-Ansprüche, setzen Sie auf Tempo und Toleranz - sich selbst gegenüber und Ihrem Team gegenüber. Das spart allen Beteiligten Nerven und Kraft, die alle woanders dringend benötigen, um gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Sichten Sie abends, was Sie geschafft haben, planen Sie kurz den Folgetag und wertschätzen Sie die Einsatzbereitschaft Ihres Teams durch proaktives positives Feedback!

Und dann: Machen Sie Feierabend und konzentrieren Sie sich darauf, Ihren eigenen Akku aufzuladen. Es hilft keinem, wenn auch noch Sie ausfallen. Erholen Sie sich von den anstrengenden Stunden und tanken Sie Kraft durch Ausspannen, vernünftige Ernährung und ausreichend Schlaf.

Zusammenfassung: Konzentrieren Sie sich auf die Tätigkeiten und Aktivitäten, die jetzt wirklich wichtig sind. Wenden Sie Ihr vorhandenes Wissen aus dem Zeit- und Selbstmanagement an. Haushalten Sie mit Ihren Kräften und üben Sie unerfüllbare Ansprüche mit gutem Gewissen loszulassen. Zeigen Sie Ihrem Team Ihre Wertschätzung, halten Sie (virtuellen) Kontakt.

  1. Motivieren

Das ist die vielleicht herausforderndste Empfehlung für Sie und Ihr Team: Bleiben Sie im Vertrauen, dass die Dinge sich schlussendlich immer zum Guten wenden.
Ist es noch nicht gut, dann ist die Krise noch nicht vorbei. Bestätigen Sie sich selbst und Ihr Team, dass Sie trotz allem Ihr Bestes geben und alles tun, was in Ihren Möglichkeiten liegt.

Auch wenn die Versuchung und Sogwirkung groß ist: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf das, was Sie nicht geschafft haben, was Ihnen nicht gelungen ist und welche Folge- und Zusatzprobleme nun auch noch anstehen. Erlauben Sie sich statt dessen, auch das zu sehen, was geklappt hat und was Ihnen gelungen ist.

Nehmen Sie auch kleine Erfolge wahr und freuen Sie sich.  Zollen Sie sich selbst und Ihrem Umfeld Anerkennung und zeigen Sie Ihre Menschlichkeit. Ihre Mitarbeiter*innen motivieren Sie am erfolgreichsten durch Ihre persönliche Zuwendung und Einfühlung, Ihren Willen und die Entschiedenheit, die Krise gemeinsam mit dem Team zu bewältigen. Und indem Sie Ihrem Team erlauben, das zu tun, was ohnehin zu zeitgemäßer Führung gehört: Lassen Sie Ihre Mitarbeiter*in durch Ihren delegativen Arbeitsstil deren Aufgaben mit maximalem Entscheidungsspielraum ausführen und geben Sie konstruktive Rückmeldung.

Zusammenfassung: Motivieren Sie zunächst sich selbst. Schützen Sie das Flämmlein Hoffnung und Zuversicht in Ihnen, denn nur dann können Sie das Feuer in anderen entfachen. Bleiben Sie trotz und allem Mensch und erlauben Sie sich, Gefühle und Schwächen zu haben. Holen Sie sich emotionalen Support und Rückendeckung durch Dritte. Seien Sie achtsam und handeln Sie umsichtig und vorausschauend. Ermöglichen Sie Ihrem Team Entscheidungsfreiräume, das entlastet Sie.

Informieren, qualifizieren, fokussieren, motivieren. So schaffen Sie die Krise!

Ihnen allen von Herzen Kraft und Ausdauer. Auf bessere Zeiten und viel Erfolg und Gesundheit!
Simone May, Köln, 20. März 2020

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